Apple, Samsung und der Hulk mit Ofenhandschuhen oder: Warum wir alles glauben, was wir lesen.

Eins ist mal sicher: Ohne technologischen Fortschritt würden wir uns alle heute noch mit Knüppeln auf den Kopf hauen.

Gerade neulich gab es wieder so eine unglaubliche Story. Es ging um Apple in der Dauerfehde mit Samsung. Samsung, just im Rechstreit unterlegen und zu 1.05 Milliarden US-Dollar Schadensersatz verdonnert, hat sich als Zahlungsweise mal einen richtigen Stunt einfallen lassen und die Kohle in 30 Trucks voller 5 Cent Münzen direkt an Apple geliefert. Insgesamt sollen 21 Milliarden Münzen an Apple gezahlt worden sein. Möglich deshalb, weil in dem Urteil nicht genauer spezifiziert wurde, wie man das Geld an Apple zu zahlen hätte. Und dann hat man es eben so gemacht. Ist ja auch naheliegend.
Die Geschichte wurde über mehrere Blogs und über die sozialen Netzwerke verbreitet. Und schwupps, war es bei mir in Facebook. Gepostet übrigens von einem sehr guten Freund, der sonst nicht gleich jedem Gerücht aufsitzt.
Nun fragt man sich natürlich, warum wir so eine Geschichte überhaupt glauben. Denn natürlich ist sie nicht wahr. Und wenn wir nur ein bisschen nachdenken würden bei dem, was wir so alles konsumieren, dann hätte es gleich auffliegen müssen, wie ich lesen und nachrechnen durfte: Um eine Milliarde in 5 Cent Münzen zu bezahlen, bräuchte man ca. 20 Milliarden Münzen. Und da eine 5 US-Cent Münze überraschender Weise exakt 5 Gramm wiegt, kommt man nach Adam Riese auf insgesamt auf 100 Millionen Kilogramm oder 100.000 Tonnen. Nimmt man nun mal einen wirklich großen Truck zur Hilfe, der vielleicht 40 Tonnen transportieren kann, dann standen da keine 30, sondern mindestens 2.500 Trucks vor Apples Toren. 2.500 Trucks, die nebenbei bemerkt bei einer Länge von nur jeweils 18 m aneinandergereiht auf eine Gesamtlänge von 45 km kommen. Gut, 45 km Stau kann einen Hamburger wie mich nun nicht abschrecken, denn den haben wir ja tagtäglich vor dem Elbtunnel. Aber trotzdem: Respekt!

Dinge, bei denen das Tragen von Ofenhandschuhen kontraproduktiv ist: 1. Schach spielen, 2. Knopf annähen, 3. Touchscreen bedienen

Da wiegt die Tatsache, dass Samsung, um diesen Deal durchzuziehen, insgesamt mehr als einem Drittel aller jemals produzierten 5-Cent-Münzen (von 55,6 Mrd Münzen immerhin) hätte habhaft werden müssen, wie ein unwichtiges Detail.
Ich glaube, ich (und mit mir viele andere) habe die Story deshalb geglaubt, weil ich die Idee, die ganze Kohle mit der Hand zu zählen, ganz charmant fand.
Bei dem ganzen Streit, das wollen wir nicht vergessen, geht es um den Schutz geistigen Eigentums. Viele sagen ja, dass man bestimmte Sachen nicht schützen lassen könnte, nur weil einer sie zuerst gedacht hat. In diesem Falle geht es u.a. darum, ob die Idee, dass man einen Bildschirm mit dem Finger bedient, schützenswert ist oder eben nicht. Das halte ich für eine sehr romantisch geführte Diskussion, denn es geht eben nicht darum dass, sondern wie man das macht. Und hinter dieser »einfachen« Idee stecken gefühlte 200 Patente, die Apple angemeldet hat. Es geht um Technologie, um Forschung, um Entwicklung, um schlaflose Nächte und viel Pizza. Sehr viel Pizza. So entstehen neue Technologien und neue Innovationen. Man nennt das Fortschritt. Ein kluger Kopf hat einmal gesagt, dass ohne Fortschritt wir uns alle heute noch mit Knüppeln auf den Kopf hauen würden. Und ich denke, da hatte ich Recht.

Aber zurück zu Apple vs. Samsung. In einem neuen Rechtsstreit, der jüngst in Den Haag eröffnet wurde (logisch, wo auch sonst, schließlich ist hier Samsungs europäisches Vertriebszentrum beheimatet. Die Holländer haben aber auch sowas von Glück!), geht es nun um eine Technologie namens »Touch-Event-Modell«, mit dem bei Apple Multitouch-Eingaben geregelt werden. Diese Technologie sorgt dafür, dass das System in bestimmten Fällen die ungewollte gleichzeitige Ausführung von mehreren Eingaben verhindert (wie auch immer sie das anstellt). Ich bin nun wahrlich kein Techniker, aber ich denke, ohne sowas würde man einen Touchscreen motorisch so geschickt wie der Hulk mit Ofenhandschuhen bedienen. Und das will man ja auch nicht wirklich.

Wichtig: Entwickler essen nicht, was auf den Tisch kommt, sondern was man bequem unter einer Tür durchschieben kann.

Geradezu witzig fand ich übrigens die Reaktion der Samsung-Anwälte, die auf diese Klage erstaunlichweise erwiederten, dass die Multitouch-Technologie bei Samsungs Android-Geräten schlechter gelöst worden sei, darum nicht mit dem Apple System vergleichbar wäre – und deshalb auch keine Verletzung geistigen Eigentums vorliegen würde. Klingt irgendwie logisch, ich denke aber, dass sich Samsungs PR-Abteilung persönlich um diese Anwälte »kümmern« wird.

Ich glaube übrigens, Samsung hat den Schadensersatz noch nicht geleistet. Aber wenn Sie es tun, ist es wohl unerheblich, wie sie es tun. Meine Oma (98) meinte neulich, dass die eh nur einmal »Klick« machen, und dann ist die Milliarde futsch. Das würden die Banken ja schließlich auch so machen.
Stimmt, Oma, aber die kriegen die Kohle ja dann wieder zurück, … irgendwie.

Manchmal frage ich mich wirklich, warum ich nicht andauernd in schallendes Gelächter ausbrechen muss. Ehrlich.

Es grüßt ernst
Kai-Michael Schmuck

Sales leads the function – oder so ähnlich …

(Anmerkung: Diesen Beitrag habe ich bereits vor längerer Zeit in der Partnercloud , einer zentralen Plattform für die Zusammenarbeit und den Informationsaustausch zwischen Herstellern und Partnern der Hardware-, Software- und ITK-Branche veröffentlicht. Wer ihn dort also schon gelesen hat, wartet einfach auf meinen nächsten Blog, der in Kürze erscheint.)

Warum ich ausgerechnet dieses Bild verwende, ist mir nicht ganz klar. Aber wahrscheinlich bin ich einfach nur tierlieb ...

Es soll ja Menschen geben, die nicht sonderlich viel von Unternehmensberatungen halten. Sie halten sie schlichtweg für überflüssig. Das mag etwas übertrieben sein, allerdings kann man schon ins Grübeln kommen, wenn man die Untersuchungen denkt, die immer wieder, auch im Auftrag von Kunden, veröffentlicht werden.

Ich erinnere mich zum Beispiel an eine Untersuchung von McKinsey, dem selbsternannten Generalisten unter den Unternehmensberatungen. Die sollten im Kundenauftrag herausfinden, warum Lidl und Aldi so erfolgreich sind. Und nach einigen Wochen wurde das Ergebnis in einer Pressekonferenz bekanntgegeben: Es liegt am Preis!

Gut, werden nun einige sagen, da hätte man auch die eigene Mutter fragen können, aber die hätte zum einen nicht so lange gebraucht und zum anderen nicht so eine Mörderkohle damit verdient. Denn wir wissen ja: Wenn eine Verkäuferin bei Lidl auf das gleiche Monatsgehalt wie ein Unternehmensberater kommen will, dann hätte sie bereits Dinosaurier abkassieren müssen.

Aber wie komm ich jetzt darauf? Ganz einfach. Gerade eben fällt mir eine alte Ausgabe von HORIZONT, DIE Zeitung für Marketing, Werbung und Medien in die Hand. Und hier hat es ebenfalls eine Unternehmensberatung auf die Titelseite geschafft mit einer Studie, deren Ergebnis uns alle vom Hocker reissen dürfte: »Marketing hat zu wenig zu melden« wurde da geschlagzeilt. Ein Umstand, der vor allem Agenturchefs und der Headhunter-Branche gleichermaßen schwer auf dem Magen liegt.

Es gibt viele Wege, es auf die Titelseite zu schaffen. »Mann beisst Hund« wäre auch einer ...

Den Agenturchefs, weil sie sich immer häufiger mit Marketing-Bossen herumschlagen müssen, die ganz offensichtlich keine Ahnung haben; der Headhunter-Branche (Vorsicht, dieser Terminus ist in der Branche nicht wohlgelitten, man bezeichnet sich lieber als »Executive Search-Branche« ist dort zu lesen), weil sie bei der Suche nach Marketingchefs, die es drauf haben, oft gar nicht hinzugezogen werden, denn die Stellen werden in Deutschland häufig mit langjährigen Mitarbeitern besetzt – frei nach dem Motto: »Marketing kann jeder!«. Das wäre ungefähr so, als ob jeder, der schon mal eine Schüssel Reis gegessen hat, von sich behaupten würde, er könne fliessend chinesisch sprechen. Das kann dann aber schwierig werden.

Dass das schwierig ist, lesen wir dann auch in der Studie. Danach nämlich werden die Marketingchefs viel zu wenig in die strategischen Überlegungen eines Unternehmens einbezogen. Wen wunderts? Weiter liest man in der Studie die Forderung, dass das Marketing sich den Anforderungen des modernen (hä?) Controllings stellen muss. Auch wenn man diese Erkenntnis wahrscheinlich in jedem Mickey Mouse Heft nachlesen kann, haut sie einen dann doch um.

Soweit ich das erinnern kann, war das doch eigentlich immer so. Und zwar ganz speziell beim Marketing in der IT-Branche, das schon immer eine Grundregel hatte: Sales leads the function. Denn was nützen die größten Kampagnen, die ausgefeiltesten Direktmarketing-Aktionen und überschwenglichsten Online-Akquisen, wenn am Ende keine Neukunden dabei herauskommen. Neukunden, die Umsatz machen. Nachweisbar.

Als ich dann noch lesen durfte, das Marketing messbare Ergebnisse liefern muss, musste ich doch herzlich lachen. Denn auch das wissen wir im IT-Marketing schon lange. Bei dieser Gelegenheit hat mich dann auch nicht mehr gewundert, dass der Chef der Unternehmensberatung, der diese Studie verantwortet hat, vorher seinen Karrierestart bei McKinsey hingelegt hat.

Irgendwie hatte ich das geahnt.

Es grüßt

Kai-Michael Schmuck

Was macht eigentlich… ? oder: Tammy, das Mädchen vom Hausboot

An die erinnert sich auch keiner mehr: Tammy, das Mädchen vom Hausboot

Ich lese den Stern. Also … richtig meine ich jetzt. Er steckt einmal die Woche im Briefkasten. Also in einem richtigen Briefkasten, da wo der Postbote immer die Briefe reinsteckt. Und wenn er da ist, dann hol ich den raus und lese ihn. Ich habe ein Abo. Ich hatte auch mal ein Abo von DER ZEIT, dem knalligen Jugendmagazin aus Hamburg. Ich hab das aber wieder abbestellt, weil ich das eigentlich nur abonniert hatte, weil Alt-Kanzler Schmidt Mitherausgeber war. Und jetzt hat er ja wohl dazu keine Zeit mehr, denn er befindet sich auf Wahlkampftour für Peer Steinbrück (außerdem waren mit die Artikel zu lang). Da hab ich mich geärgert und gleich wieder abbestellt. Dafür habe ich jetzt den Stern. Auch gut.

Eigentlich lese ich den nur wegen meiner Lieblingsrubrik: Was macht eigentlich … ? Da werden auf der letzten Seite immer wieder Menschen in Erinnerung gerufen, die man schon fast vergessen hatte. Neulich zum Beispiel: Was macht eigentlich Debbie Watson? Nur die wenigstens werden diesen Namen kennen. Eigentlich müsste die Frage lauten: Was macht eigentlich Tammy, das Mädchen vom Hausboot? Ach diiieeee, werden jetzt viele ausrufen und sofort ist sie wieder da, die Erinnerung an die Vorabendserie aus den 60ern mit seinem unbeschreiblich schönen Titelsong: Hörst Du den Südwind, er flüstert Dir zu: Tammy, Tammy, Dein Glück bist Du. Spätestens jetzt sollte es dämmern. Ganz genau. Und Tammy hatte ich schlichtweg vergessen. Zugegeben..schon damals war das eher eine Vorabendserie, die sich vornehmlich an Zuschauer wendete, deren IQ knapp über der Körpertemperatur lag. Aber das erwähne ich eigentlich auch nur, um wie immer eine Überleitung zu finden zu jemandem, von wir alle auch lange nichts mehr gehört haben.

Was macht eigentlich… Guido Westerwelle? Wir erinnern uns, das ist unser Außenminister. Der einzige Außenminister übrigens, der es geschafft hat, während seiner Amtszeit in der Beliebtheitsskala dramatisch abzurutschen. Womit er zweifelsohne in die Geschichte eingehen wird. Obwohl wir zugeben müssen, dass Guido seiner Partei damit im Grunde ja auch in nichts nachsteht. 11 Jahre lang hatte die FDP Zeit, sich auf eine weitere Regierungskoalition vorzubereiten, und hat dabei gebetsmühlenartig nur einen einzigen Satz runtergeleiert: Steuern runter, Arbeit rauf! 11 Jahre!! Immerhin hat Ihnen das knapp 15% gebracht. Gut, wenn heute Bundestagswahl wäre, kämen sie meist auf die homöopathische Größe von rund 3%. Das verwundert natürlich, denn seien wir mal ehrlich. Das Versprechen haben sie ja auch gleich eingelöst. Also nicht das mit der Arbeit rauf, aber das mit den Steuern runter. Hat ihnen am Ende aber dann doch nix gebracht, denn nach der anfänglichen Begeisterung ist den FDP-Wählern wohl plötzlich eingefallen: Scheisse, ich hab gar kein Hotel! Und Schwups, war’s wieder vorbei mit der Euphorie.

Klasse Kampagne: Versteht jeder und man kann die alten Plakate fast weiterverwenden.

Und jetzt krebsen sie rum, die Pfeifen. Und suchen nach etwas neuem … irgendetwas griffigem, was nur blöd genug sein muss, damit die Leute das auch verstehen. Wie wäre es zum Beispiel mit: Mehr Netto vom Brutto?? Ach nee, dass hatten die ja auch schon. Vielleicht mal: Mehr Netto ALS Brutto!! Das wäre mal was ganz neues und ich bin sicher, irgendein Experte kriegt das rein rechnerisch auch hin, irgendwie. Das muss man nur überzeugend darstellen, und dann frisst es jeder. Diese Taktik der «ÜBERZEUGENDEN DARSTELLUNG« bewährt sich ja auch in der EURO-Krise bestens (ja, ich weiß, Herr Schmidt, es ist keine Krise des EURO, sondern eine Staatsschuldenkrise, aber EURO-Krise passt einfach besser in eine BILD-Schlagzeile!). Eine Konferenz jagt die nächste, und der Ausgang einer solchen Konferenz ist ungefähr so spannend, wie die Antwort auf die Frage: Was passiert, wenn man ein rohes Ei gegen eine Betonwand wirft? Richtig! Jede Konferenz endet mit einem überzeugenden Statement, das immer gleich klingt: Wir stehen hinter Europa und wir sagen JA zum Euro. Aber echt jetzt! Fertig. Das ist alles. Performt wird dieses Statement meist im Duo, entweder von Sarkozy oder von Angela Merkel, die dabei tapfer versucht, der Krise ein Gesicht zu geben – was ihr jedes Mal mühelos gelingt. Ich finde, dazu muss man sich ja nicht immer treffen. Die könnten doch einfach alle miteinander telefonieren. Und der Letzte, der dann in der Leitung hängenbleibt, ruft dann die Rating-Agenturen an und teilt denen überzeugend mit, dass alles klar ist. Also mit den Euro und so. Genauer muss man das denen ja auch nicht erklären, schließlich haben diese Prognosenverwurster genug Phantasie, um daraus was Gescheites zu machen und machen im übrigen eh, was sie wollen.

Richtig, das ist nicht unser Außenminister, sondern Harold Clayton Lloyd, US-Schauspieler (1893-1971). Die Brille ist in etwa gleich..also fast, Guidos Brille ist eher eckig. Mein Gott, ich hatte kein anderes Foto ...

Übrigens: Kaum hatte ich diesen Blog fertig geschrieben, war er doch auf einmal wieder da, der Guido – wegen der Afghanistan-Konferenz, die in der öffentlichen Wahrnehmung übrigens knapp hinter der Schambeinentzündung von Arjen Robben rangierte. Sehr leise und mit neuer markanter Brille! Irgendwie doch sympathisch, dass er zu seiner Sehschwäche steht. Da gibt es andere, die tun das nicht. Oder wenigstens nicht mehr. Guttenberg zum Beispiel, jetzt ohne Brille. Warum? Weil er sich von irgendeiner US-Augenärztin hat erzählen lassen, dass er gar keine Brille braucht. Und nach eigener Aussage hat er die Brille eh nur aus historischen Gründen getragen. Nun hat er sie abgenommen…und siehe da: Er konnte alles sehen. Einsichtig machte ihn das aber nicht die Bohne. Leider. Um ehrlich zu sein, war ich ja ganz froh, dass man von Guttenberg auch lange nichts gehört hatte. Und ich wurde wirklich etwas unruhig, als die deutsche Nation begann, fiebrig nach einem Nachfolger von Thomas Gottschalk für Wetten, daß …? zu suchen. Aber ist ja noch mal gut gegangen. Mein Oma (97) hatte übrigens einen sensationellen Vorschlag: Randolph Rose, dunkelhäutiger Schlagersänger aus den 70igern und Cousin von Gay-Ikone Marianne Rosenberg («Er gehört zu mir«). Der würde übrigens einen herrlichen Kontrast zu Hunzinger geben. Die Stimme war zwar scheisse, aber Gottschalk konnte ja auch nicht singen. Und alles andere kann man lernen. Allein, was macht der eigentlich heute, der Randolph?

Fragt sich

Kai-Michael Schmuck

 

Über Plutonium, Vogelkot und linkische Bajuwaren

Eine Flasche Paulaner macht einen ganzen japaniaschen Reisebus volltrunken. Unser Bayer bestellt gleich drei. Frage: Was führt er wirklich im Schilde?

Mittlerweile ist es schon fast zwei Wochen her, aber da passierte folgendes: Ich, liegend, vor dem Fernseher. Sportschau. Fussball. Eigentlich müsste ich ja sagen, ich gucke nicht die Sportschau, sondern ich gucke Werbung, die ärgerlicherweise ab und zu von einem Bundesligagespiel unterbrochen wird. Egal. Es kommt der Vorspann der unvermeidlichen «Geschichten aus dem Paulaner-Garten«. Na, und die kennen wir doch alle. Voller Vorfreude werden da zwei Japaner, die bei einer strunkendoofen vollblonden Bedienung auf japanisch etwas zu trinken bestellen wollen, von einem beisitzenden linkischen Bajuwaren aber mal so richtig übers Ohr gehauen. 3 Paulaner-Weizen … haha, recht so, denkt sich der Arbeitnehmer, der bei BMW die Türgriffe am Fließband montieren muss, endlich werden die Japse (flapsige Bezeichnung für die Bürger Nippons) mal lang gemacht. Und was geschieht? Nix Japaner, unser Trunkenbold linkt diesmal einen Ami (auch gut!) und sabbelt irgendein komisches Zeug auf seine Handymailbox. Hier reissen allenfalls Opel-Mitarbeiter vor Schadenfreude die Arme in die Höhe.

Was war geschehen? Offensichtlich wollte man hier politisch besonders korrekt handeln. Hat der Japaner dieser Tage nicht genug auszustehen? Erdbeben, Tsunami-Welle und Super-Gau? Da kommt es nicht eben gut, wenn man dem Japaner auch noch im Biergarten übel mitspielt. Das nenn ich schnell reagieren. Bei den Amis scheint man da weniger pingelig zu sein als bei Paulaner.

Schnelle Reaktionen gibt es übrigens auch in der Politik. Was haben wir gelacht letztes Jahr, als sich die schwarz-gelbe Koalition nach reiflicher Überlegung und handfesten Drohungen seitens der Energieprovider dazu entschlossen hat, die Laufzeit der Kernkraftwerke zu verlängern. 15 Jahre, soweit ich weiß. Natürlich mit der Maßgabe, dass die Betreiber innerhalb von nur(!) 10 Jahren die alten Schuppen modernisieren müssen. Bei dieser Gelegenheit: Im Kleingedruckten steht genauer, was mit diesen 10 Jahren gemeint ist. Danach kann sich der Betreiber 9 Jahre und 11 Monate Zeit lassen und dann damit beginnen, die ersten Schraubenzieher für die Modernisierung zu kaufen. Oder sagen wir, er muss sie wenigstens bestellen. Ein guter Deal, dass muss ich zugeben.

Nun gut, das ist natürlich jetzt obsolet. Nach Japan (eigentlich muss es heissen, nach dem Erdeben der Stärke 9 in Japan, dass einherging mit einem unglaublich zerstörerischen Tsunami, der schließlich den Gau in den Atomkraftwerken herbeiführte, aber alle reden von «nach Japan«) hat man spontan reagiert und eben diese Laufzeitverlängerung via Moratorium für 3 Monate ausgesetzt. Was? Wie geht das denn? Wie kann man denn eine Laufzeitverlängerung aussetzen? Nun, die Frage ist nicht, wie man das kann, sondern warum man das überhaupt macht.

Alte Besen kehren gut. Vor allem in der Kernenergie.

Frau Merkel («Japan ist eine Zäsur!)« schien urplötzlich und völlig unabhängig von irgendwelchen anstehenden Wahlsonntagen das aufregende Gefühl zu haben, dass das, was in Japan passiert ist, es dringend erforderlich macht, noch einmal einen genaueren Blick auf die Sicherheit unserer eigenen Kernkraftwerke zu werfen. Da frag ich mich doch: Was um alles in der Welt haben die denn vorher gemacht? Gewürfelt?! (wenn man eine 6 würfelt, dann wird verlängert, bei allen anderen Zahlen darf man noch mal?). Ich stelle mir gerade vor, wie so eine Sitzung zwischen den Verantwortlichen der Regierung und Betreibern abgelaufen sein muss: «Angela, mal ehrlich jetzt. Wenn wir die alten Dinger abschalten, das wäre echt blöd.« «Warum denn das?« «Na Mensch, mit den alten Meilern verdienen wir uns dumm und doof, das wäre doch beknackt, wenn wir die einfach zu machen, oder?« «Stimmt, da ist was wahres dran. OK, dann macht weiter. Aber nur 15 Jahre. Und ihr müsst versprechen, dass ihr da wenigstens einmal durchfegt.« «Gut, machen wir, aber nicht gleich, oder?«

Dass das Experten-Team von Fukushima-Betreiber Tepco keine Ahnung hat, liegt wahrscheinlich daran, dass sie ihre eigenen Aufzeichnungen nicht lesen können. Und das trotz Brille ...

Und während man hier darüber nachdachte, wie man sich durch die nächsten Wahlen hangelt, gings in Japan drunter und drüber. Krisenmanagement, das an das eines abstiegsgefährdeten Zweitligaclubs erinnert, ein japanischer Ministerpräsident, der sich beim Verzehr von NICHT verseuchtem Trinkwasser mediengerecht übergeben muss (fast) und ein Expertenteam des Betreibers, das in der verstrahlten Brühe herumstochert, in Pressekonferenzen mit Aussagen wie «Die Situation ist schlimm.« glänzt  und nicht nur offensichtlich keine Ahnung hat, sondern auch noch so aussieht, als hätten sie keine. Gut, es ist nicht schlimm, wenn man keine Ahnung hat. Schlimm wird es erst, wenn man denkt, die anderen sind genauso doof. Frau Merkel, wenn Japan eine Zäsur ist, was war dann Tschernobyl? Eine Anregung? Ein verstohlener Hinweis, das es auch schief gehen kann? Ein kluger Kopf hat einmal gesagt, mit der Kernkraft ist es ungefähr so, als ob man bei einer Handgranate den Sicherungsring zieht und sich dann in aller Ruhe überlegt, wo man das Ding hinwirft. Und ich glaube, ich hatte recht damit.

Ursprünglich war ja geplant, in den drei Monaten der  «Laufzeitverlängerungsunterbrechung« sogenannte Stresstests in den AKWs durchzuführen. Mir war ehrlich gesagt nicht klar, dass die Mitarbeiter eines Kernkraftwerkes irgendwas anderes tun, als in Monitore zu rindern und sich sonst die Falten aus dem Sack zu schlagen. Von wegen Stress. Oder hab ich da was missverstanden?

Aber nach den Wahlen letzten Sonntag wird es auch diese Tests nicht geben. Jetzt sollen die Dinger einfach abgeschaltet – und vor allem nicht wieder angeschaltet werden. Das ist wenigstens die Idee von FDP-Generalsekretär C. Lindner. Das ist ihm wahrscheinlich nachts eingefallen, als ohnehin alle Lichter aus waren. Wer braucht da Strom? Zudem ist diese Idee besonders deshalb charmant, weil Lindner einer Partei angehört, die gerade vor zwei Wochen noch der Meinung war, bei Brennstäben handele es sich um ein nützliches Hilfsmittel, mit dem man ein Feuerwerk anzündet. Und das glaubte noch nicht mal meine Oma (96).

Vogelkacke ist rehabilitiert. Plutonium konnte nicht nachgewiesen werden. Na dann ...

Soeben erreicht uns gerade die Nachricht, das Japan zugibt: Ja, es hat eine Kernschmelze gegeben. Wahrscheinlich schon kurz nach dem Erdbeben. Aber nur eine kleine. Das ahnungslose Betreiber-Expertenteam zieht diese Erkenntnis aus dem Umstand, dass man im Boden auf dem Fukushima-Gelände bereits Spuren von hochgiftigem Plutonium entdeckt hätte. Achso! Na dann. Und ich dachte schon (wie wohl so viele von uns) die Ursache von Plutonium im Boden sei Vogelkot, der von achtlos herumfliegendem Gefieder einfach und ohne nachzudenken heruntergeschissen wird. Die Ornithologen können sich also entspannen.

Ich weiss aber nicht, ob mich das wirklich beruhigt.

AKW nee! So sei es.

Kai-Michael Schmuck

Wahlhilfe Teil 2 oder: Wie macht man eigentlich ein Kreuz?

So macht man die Kreuze! Danke, Robert!

Dass uns Politiker doch eher für doof halten, ist ja bekannt. Dass sie aber tatsächlich glauben, der Wähler wüsste noch nicht einmal, wie man ein Kreuz auf einen Wahlzettel malt (und das auch noch fünfmal hintereinander), das war mir bis jetzt neu. Oder ich habs einfach verdrängt.

Aber zum Glück gibt es ja Hilfe. Robert Heinemann, CDU (übrigens nicht verwandt mit Gustav Walter Heinemann (* 23. Juli 1899 in Schwelm; † 7. Juli 1976 in Essen) dritter deutscher Bundespräsident und ein ganz lieber Kerl) macht diesmal fast alles richtig und gibt seine Anleitung gleich mal direkt auf dem Wahlplakat. Allerdings etwas kurz und unvollständig. Aber – und wieder haben wir Glück gehabt – es gibt ja den :redeschwall-Wahlservice, der hier den vollständigen Wahlvorgang des gemeinen Durchnittswählers nachvollzogen hat:

Es ist eigentlich ganz einfach: Am Wahltag (20. Februar 2011) zeitig das Bett verlassen und anziehen – und zwar erst die Hose und dann die Schuhe (wahlweise vor oder nach dem Frühstück) und nach Hause gehen, um die Wahlunterlagen zu suchen. (Wer bereits zuhause aufwacht, kann gleich mit  der Suche beginnen). Auf den Wahlunterlagen das zuständige Wahllokal ausfindig machen (muss da irgendwo stehen, sonst ist es die Zahlungsaufforderung der GEZ). Dann das Wahllokal aufsuchen. Dran denken: Im Februar kann es noch kalt sein, also Mantel anziehen. Man kann zu Fuß kommen. Muss man aber nicht.

Wir gehen nun in das Wahllokal hinein, dabei bitte möglichst neutral gucken. Muss ja nicht jeder wissen, dass wir diesmal die CDU wählen. Nun den rosa Stimmzettel rausfischen (warum der rosa ist, diese Antwort bleibt uns Robert auf seinem Plakat schuldig. Schade!).

So ist's richtig: Der Umschlag gehört in die Wahlurne... und die Hand wahrscheinlich Angela Merkel!

Danach die Wahlkreisliste 1 (CDU) suchen und Platz 1 ausfindig machen. Anmerkung: Wenn man die Liste von unten liest, bitte Finger benutzen und langsam nach oben fahren. (Finger sind die langen Dinger, die an der Hand hängen). Dann neben dem Namen Heinemann in die kleinen Kreise kleine Kreuze malen (wie abgebildet) und zwar so, als ob man diese durchstreichen will. Bitte keinen anderen kleinen Zeichen (Smileys, Buchstaben, Totenköpfe) eintragen, es gelten nur Kreuze. Dazu bitte den kleinen Kugelschreiber benutzen, der an der Wahlkabinenwand hängt. (Bitte nicht abreissen und  mitnehmen, denn sonst kann der nächste Wähler nicht wählen, außerdem sind wir nicht im Büro oder im Hotelbadezimmer (wichtig!!)). Stimmzettel in den dafür vorgesehenen Umschlag stecken – nicht frankieren, auch wenn man eine Marke zur Hand hätte! Wahlkabine verlassen, und zwar so, wie man sie vorfinden wollte (NEIN, keine Bilder aufhängen!!). Achtung, den Umschlag mit dem Stimmzettel nicht liegen lassen, sonst steckt ihn der nächste ein – und der wollte wahrscheinlich ganz was anderes wählen.

Jetzt nähern wir uns der Wahlurne (Kasten mit Schlitz oben!). Umschlag mit Stimmzettel einstecken (in den Schlitz der Wahlurne, nicht in die Gesäßtasche, sonst war alles umsonst). Wir verlassen das Wahllokal und grinsen die Wahlhelfer an. Wir gehen nach Hause und warten auf die ersten Hochrechnungen. Aber nicht lange, denn um 18.05 wissen wir schon, wer gewonnen hat. Wie immer.

Fertig! Wir haben gewählt – und haben wieder 5 Jahre Ruhe. Wahrscheinlich …

Viel Spass bei der Wahl wünscht

Kai-Michael Schmuck

Hinterhofgespräche, Hamburg Wahl, abgeschnittene Köpfe… Und nu?

Auf Sylt ist man wenigstens an der frischen Luft: Ole von Beust in den Dünen ...

Für alle Leser, die nicht aus Hamburg kommen: Wir wählen wieder! Was?!? Aber ihr habt doch gerade erst?! Ich weiß. aber was soll man machen. Nötig wurde die Wahl, weil der damals amtierende Bürgermeister lieber auf Sylt ein bisschen rumschlingeln wollte, als in sich in Hamburg im Rathaus an die Karre fahren zu lassen. Wegen diesem oder … dem anderen da! Egal. Fakt ist, das Stimmvieh ist wieder gefordert. Also wählen wir.

Nun bin ich also vorgestern so durch Hamburg gefahren und habe mich ein wenig berauschen lassen von der Vielzahl der Wahlplakate, die überall rumhängen, rumstehen und anderweitig angebracht sind. Und hätte meine Frau mich nicht angeschrien, wäre ich beinahe in den Vordermann gerauscht, weil mein Blick auf ein Wahlplakat der CDU fiel: «UNSERE BILANZ FÜR HAMBURG: KRIMINALITÄT MINUS 25%. UND NU?« stand da geschrieben. Au weia!

Ok, ich gebe zu, mit Wahlkampagnen ist das immer so eine Sache. Immerhin muss es den Machern gelingen, sich auf ein derart niedriges Niveau runterzudenken, dass wirklich jeder Vollpfosten, der an den Plakaten vorbeistolpert, in der Lage ist, zu verstehen, was da geschrieben steht. Aber auch eine  Wahlkampagne ist Werbung und es gibt ein paar grundsätzliche «So nicht«-Kriterien, die man unbedingt beachten sollte. Dazu gehört zum Beispiel: Stelle niemals eine Frage, die jemand missverständlich (und das heisst «nicht in deinem Sinne«) beantworten könnte! Mal ganz abgesehen davon, dass die Frage «Und nu?« bei jedem gerade freigekommenem Knastbruder die Antwort impliziert «Super, dann können wir ja wieder!«, ist sie per se eigentlich eine Frechheit und gehört den Verantwortlichen um die Ohren gehauen. Denn der Wähler kann ja nun nur zu dem Schluss kommen, dass Christoph Ahlhaus, seines Zeichens amtierender Erster Bürgermeister der Hansestadt Hamburg (aus Versehen, wohlbemerkt!) und CDU Spitzenkandidat in Hamburg, nicht den blassesten Hauch einer Ahnung hat, was er denn nun machen soll, nachdem 25% der Hamburger Kriminellen offensichtlich zu doof waren, sich nicht schnappen zu lassen. Und mehr noch: Er entblödet sich auch noch, den Bürger zu fragen, was er denn nu tun soll? Das erfüllt einen dann doch mit Sorge. Über die Tatsache, dass das Wort «nu« offensichtlich kumpelhaft rüberkommen soll (seit wann sind Bürgermeister unsere Kumpels?) muss der Praktikant der Agentur diese Kampagne offensichtlich nach dem Morgengebet getextet haben, denn eigentlich muss dass doch «nun« heissen, oder war da kein Platz mehr auf dem Plakat? Man munkelt übrigens, dass dieses Plakat gar keine Agentur verzapft hat, sondern eine Idee aus der CDU-Fraktion sei. Nun, das kann ich nur inbrünstig hoffen.

Es gibt viele Gründe, Rot-Grün zu wählen. Das sind offensichtlich nur zwei ...

Aber damit nicht genug. Gleich um die nächste Ecke schreit mich auf einem 18/1-Plakat folgende Botschaft an: WER CITYMAUT UND NEUES SCHULCHAOS WILL, MUSS ROT-GRÜN WÄHLEN. Ach so ist das. Das habe ich nicht gewusst. Ich dachte schon, ich müsste dann gerade die CDU wählen, denn der haben wir das Schulchaos immerhin zu verdanken, und jetzt weiss keiner so genau, wie das hier jetzt weitergeht mit der Primaten… ähh…’tschuldigung … Primarschule.

Witzigerweise hat sich die CDU damals (was heisst damals, das war letztes Jahr!) von einem gewissen Walter Scheuerl vorführen lassen, derselbe, der jetzt auf der CDU Wahlliste steht. Ich nehme einmal an, dass das mit der Gründung der eigenen Partei nicht rechtzeitig geklappt hat. Na egal, dann eben das nächste mal, Walter.

Auch die Grünen gaben schon mal eine Wahlempfehlung an Unentschlossene. Aber irgendwie doch anders ....

Aber es ist immerhin nett, dass man uns hier eine Wahlanleitung gleich mitliefert. Eine Wahlanleitung, die normalerweise nur ganz alten und bettlägerigen Mitbürgern im Seniorenstift zuteil wird, die nicht wissen, wo sie ihre Kreuze machen sollen. Meine Frau konnte mich übrigens nur unter Androhung von häuslicher Gewalt davon abringen, sofort meinen Edding (ja, sowas führe ich in Wahlzeiten immer bei mir) zu zücken und ein OK, MACHEN WIR! unter das Wahlplakat zu klieren.

Hinterhofgespräche mit Verbrechervisage: Da bekommt der Wähler Angst...

Gleich neben der Wahlanleitung dann gleich noch ein schnelles kurzes Plakat, dass offensichtlich Bürgernähe implizieren soll. Hinterhofgespräche mit Robert Heinemann, (der Mann hat eine eigene Webseite, ich fasse es nicht!) verfassungspolitischer Sprecher der CDU-Fraktion in der Hamburgischen Bürgerschaft, von dem sich jeder gerne mal das neue Wahlrecht erklären lässt. Nun muss ich zugeben, dass Robert sich nicht gerade vorteilhaft hat ablichten lassen, starrt einen doch das Gesicht eher wie eine gemeine Verbrechervisage an, und nicht wie jemand, von dem auch meine Oma (96) sich erklären lassen möchte, wo sie denn nun ihre 20 Kreuze (4 x 5 = 20) machen soll. Schon gar nicht in einem Hinterhof. Da hätte die Agentur aber auch mal drauf achten können. Gut, meiner Oma ist das egal, denn die wählt seit fast 100 Jahren ohnehin nur die CSU? Warum? Weil Sie in Bayern wohnt.

Olaf Scholz, Spitzenkandidat der Hamburger SPD und die Hände lässig in den Hosentaschen: So locker kann man Bürgermeister werden. Muss man aber nicht ...

Allerdings würde meine Oma wahrscheinlich auch dem SPD Spitzenkandidaten Olaf Scholz eher aus dem Weg gehen. Zumindest wenn er so daherkommt, wie auf den Wahlplakaten der SPD. Der Mann guckt weder verschmitzt noch souverän, sondern irgendwie unsicher. Wahrscheinlich fragt er sich gerade, wo seine Hände sind und warum sein Kopf oben angeschnitten ist. Und weil der Agentur überdies auch noch alle Texter krank geworden sind, steht nur ein einziges Wort auf dem Plakat: Klarheit… wenigstens hat der Layouter das Wort noch unterstrichen, damit es da nicht so alleine rumschwebt und damit auch wirklich klar ist, dass da nichts mehr kommt.

Was ich wähle? Nun ja, ich bin ja politisch so interessiert und so offen, dass ich bei der letzten Wahl wieder mal alles angekreuzt habe. Diesmal weiss ich es noch nict so genau. Aber, mal ganz ehrlich, wenn ich wirklich die Wahl hätte, dann würde ich das so machen, wie Ole: Ich würde auch Sylt wählen!

In diesem Sinne: Rüm hart, klaar kimming!

Kai-Michael Schmuck

Abnehmen mit Dioxin, senfgelb und warum es sich lohnt, Deutschland zu besuchen!

Der Dioxin-Skandal hat gerade nach den Feiertagen auch sein Gutes: Man nimmt praktisch automatisch ab. So oder so...

Bestimmt­e Dinge gehen immer. Eis geht immer, zum Beispiel. Und Bier auch (vielleicht nicht gerade vor 10 Uhr morgens, Eddi!). Und Diäten. Die gehen auch immer. Und jetzt haben sie Hochsaison. Überall. Auch in den Medien.

Wundert einen auch nicht. Immerhin mussten Millionen Gänse, Enten und anderes Geflügel ihr Leben lassen, um uns alle an und zwischen den Feiertagen halbwegs über die Runden zu bringen. Mit Knödeln, Rotkraut, Soße … wirklich lecker. Da muss man einfach durch. Und weil man mit einer Gänsekeule im Mund nicht ganz so gut nachdenken kann, fällt uns immer erst hinterher auf, dass wir die 6 Kilo, die wir in 5 Tagen zugenommen haben, ab Anfang des neuen Jahres in 8 Monaten wieder abnehmen müssen.

An sich ist das ja auch kein Problem, Diäten gibt es schließlich wie Putenoberschenkel zur Weihnachtzeit: unendlich viele. Und eine funktioniert besser als die andere: Brigitte Diät, Weight Watchers, Glyx-Diät, diverse Arzt-Diäten. Besonders beliebt und Dauerbrenner: die Ananas-Diät, die einen innerhalb kürzester Zeit bis zum Skelett abmagern lässt, wenn man alles isst außer Ananas (hahaha, wie oft muss ich diesen Kalauer eigentlich noch hören). Ich persönlich mag am liebsten  die »Bein-ab-Diät«, bei der man innerhalb von nur einer halben Stunde 15 Kilo verliert. Allerdings kann man diese Diät nur zweimal machen, dass ist schlecht. (Nur, um das nicht unerwähnt zu lassen: die »Politiker«-Diät heißt nur so, ist aber keine, denn das wäre dann ja die einzige Diät , von der man fett wird.).

Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass sowas wie der gerade aktuelle Dioxin-Skandal niemals vor den Feiertagen aufgedeckt wird, sondern immer erst danach. Wer hier Zersetzung und Hochverrat wittert, sollte nicht immer alles allzu schwarz sehen, oder? Na gut, wenigstems müssen wir das verseuchte Futtermittel nicht direkt zu uns nehmen.

Die Ananas-Diät funktioniert übrigens auch mit Senf , eine Tatsache, die ich eigentlich nur erwähne, um den Übergang zu einem anderen Thema nicht allzu holprig erscheinen zu lassen. Es geht um Deutschland. Genauer gesagt geht es darum, warum es sich lohnt, Deutschland zu besuchen. Und um ganz präzise zu sein, geht es darum, warum eine Agentur sich entblödet, dafür eine Anzeige zu schalten. Und dann auch noch im Stern, der ja in Deutschland erscheint, soweit ich weiss. Der gemeine deutsche Stern-Leser ist ja bereits in Deutschland, warum also soll er das Land dann besuchen. Deutsche mögen keinen Besuch, und schon mal überhaupt nicht nach Feierabend, das ist doch bekannt.

Serviceplan, die Agentur, die – warum auch immer – hinter dieser Kampagne steckt, hat bei der Kreation wirklich alle Register des Schaffens gezogen. Bestechend ist der Text in englisch, den selbst mein Sohn nicht hätte besser machen können (und der ist immerhin in der 5. Klasse). Wie aus dem engeren Freundeskreis der Agentur (Agenturen haben keine Freunde, nur Kunden, ich weiss) zu erfahren war, war unser Aussenminister Guido Westerwelle, der ursprünglich den Text beisteuern sollte, wahrscheinlich verhindert. Man munkelt allerdings, dass er das Konzept nicht besonders gut fand. Aber glücklicherweise hat man mit Günther «in-dschörmanie-wi-häw-a-sejing« Oettinger schnell einen Ersatz gefunden. Für den Text soll er nicht länger als eineinhalb Stunden gebraucht haben. Klar, da ist eine Übersetzung in Google Translate schneller, aber ob sie auch besser ist?

Bei dieser Gelegenheit: Die Videos auf youtube über diese Jahrhundertrede von Oettinger waren plötzlich verschwunden. Ich wusste nicht, dass man youtube offensichtlich nur sagen muss, man fühle sich durch ein Video diskriminiert und schon verschwindet es im Orkus des Unwiederbringlichen. Frag ich mich doch, was für eine Diskriminierung Oettinger eigentlich meint. Er kann kein Englisch? Wo ist das Problem? Ich kann auch kein Chinesisch. Der Unterschied ist nur, dass ich auch nicht versuche, es zu sprechen. Aber das nur nebenbei – und immerhin sind sie ja wieder da, die Videos. Seitdem habe ich meinem Sohn allerdings verboten, auf youtube zu gehen. Man kann ja nie wissen.

Seit 1930 verpackt Thomy Senf in Tuben und hat damit vielen Ehepartnern einen weiteren Scheidungsgrund frei Haus geliefert, der vorher nur Zahnpastatuben vorbehalten war: das korrekte Ausdrücken ...

Das Layout der Anzeige, dass im Grundton durch ein wunderschönes senfgelb brilliert, wurde direkt bei Thomy, dem Erfinder des Senfes in Tuben, in Auftrag gegeben. Da Thomy außerdem auch noch Mayonnaise anbietet, gab es auch einen Entwurf in altweiss, der wurde von Serviceplan aber abgeschmettert, weil zu langweilig. Auch gut. Zum Schluß musste Serviceplan nur noch ein Logo zusammenschustern und drunterknallen, fertig ist die Kampagne. Was die Anzeige aber generell bewirken soll, wird mir ewig verschlossen bleiben. Warum soll jemand Deutschland besuchen, nur weil der Aussenminister schwul ist und der Kanzler eine Frau, was irgendwie aufs gleiche rauskommt? Gut, ein viatnamesischer Gesundheitsminister, das ist schon eine Reise Wert. Aber was ist mit dem dementen Ministerpräsidenten aus Bayern? Oder unserem quotengeilen Verteidigungsminister? Ist das nichts? Da ist doch wohl noch Platz auf der Anzeige, oder etwa nicht? Na gut, es ist passiert, aber vielleicht sehen wir ja noch eine Fortsetzung der Kampagne (will meinen ein zweites… ähh… Motiv?)

Klasse Bilder und klasse Name (wenn auch nicht unbedingt für einen ICE): Paula Modersohn-Becker (1876-1907)

Bei dieser Gelegenheit noch eine Anmerkung in eigener Sache: Ich schreibe diese Zeilen, während ich in einem ICE namens Paula Modersohn-Becker auf dem Weg nach München bin. Wir sind mit 7 Minuten Verspätung in Hamburg gestartet (der Zug war aus Versehen verkehrt herum in den Altonaer Sackbahnhof gefahren, was dem Zugführer erst auffiel, als er MediaMarkt im Rücken hatte) und jetzt informiert uns der freundliche Zugbegleiter (formerly known as Schaffner) via Lautsprecher vor JEDER Station, dass alle Anschlusszüge erreicht werden. Zweisprachig, versteht sich.

In bin beunruhigt.

Kai-Michael Schmuck

PS: Meine Oma (96) (»Diäten hoam mir damois net braucht, mir hoam ois gessen, wos do woa und hoam a net zugnomma, Bua.« (Übers.: »Diäten haben wir damals nicht gebraucht, wir haben alles gegessen, was da war, und haben trotzdem nicht zugenommen, Depp!«) hält übrigens nichts von Diäten. Wahrscheinlich ist sie deshalb immer noch so gut zu Fuß.

Schnee-Chaos, Elton John und warum man besser in der Bahn erfriert.

Nein, das ist nicht Tagesschausprecher Karl-Heinz Köpcke, wie viele auf den ersten Blick vermuten, sondern der hier (geschätzt) 98-jährige Johannes Heesters (*1903)

Gestern habe ich mir einen Fisch gekauft. Um ihn zu essen, ganz genau. Der freundliche Verleihnix hat mir das Teil (Dorschfilet, sehr lecker) klassisch eingepackt… in Zeitungspapier, wie eine Drohung der Mafia – aber vor allem, wie sich das gehört. Daheim hab ich den Fisch ausgepackt – und was soll ich sagen? Mein Blick fällt auf einen Seitenaufmacher(!) und da stand zu lesen, dass Johannes «Jopie« Heesters, bekannt durch sein biblisches Alter (107) dem Rauchen abgeschworen hat. Warum? Damit Gattin Simone Rethel (gefühlte 105, aber in echt 61) noch lange was hat von dem Altstar. Na gut, dass kann man nun sehen wie man will (und wahrscheinlich hört man Simones Aufstöhnen von hier bis Starnberg), aber ich finde das ist sehr nett von dem Greis. Man würde sich wünschen, alle alten Leute würden sich so vorbildlich verhalten. Ähem …

Im Grunde ist das eine der wenigen guten Nachrichten, die einen am Jahresende erreicht, denn ansonsten reiht sich ja wie gewohnt eine Horrormeldung an die andere. Zum Beispiel: Deutschland versinkt im Schnee-Chaos und in Madrid wird das erste Kitzelstudio eröffnet. Zugegeben, das eine hat mit dem anderen so viel zu tun wie Arschbacken und Brot backen. Aber trotzdem ist es natürlich in Zeiten, in denen Politiker nicht müde werden, Folterungen im Vollzug scharf zu verurteilen, verwerflich, dass in europäischen Hauptstädten klammheimlich und unter den Augen der Öffentlichkeit Kitzelstudios eingerichtet werden, in denen brutale spanische Chiropraktiker (ich glaube, das nennt man eine Tautologie, also sowas ähnliches wie weisser Schimmel oder schwuler Choreograph) und willenlose spanische Masseurinnen (lechz, aber natürlich auch eine Tautologie) Menschen aufs übelste und mit bloßen Händen malträtieren, … also kitzeln dürfen.

Nein, das ist nicht Johannes Heesters, der hier die Nachrichten spricht, sondern der Mann, nach dem wir damals unsere Uhren gestellt haben: Karl-Heinz Köpcke (1922-1991)

Und die Katastrophenmeldungen reissen nicht ab. Niedersachsen wird zur Hochburg des Komasaufens 2009 ernannt (schade, Bayern hatte seine Zahlen offensichtlich zu spät gemeldet) und Reginald Kenneth Dwight (63), denn seine Fans aus welchem Grund auch immer Elton John nennen, wird Vater, weil sich eine Leihmutter bereit erklärte, ihm und seinem Gatten (!) David Furnish ein Kind – wie sagt man…zu gebären. Entgegen allen Gerüchten kommt die Leihmutter übrigens NICHT aus Niedersachsen. Da hat der Elton aber Glück gehabt. Wer sich ein wenig dafür interessiert, weiss, dass der Popstar es bereits mit einer Adoption in der Ukraine versucht hatte, dort aber die Segel streichen musste, weil a) eine schwule Ehe in der Ukraine nicht rechtsgültig ist und alleinstehende Ausländer nix adoptieren können (das hat mich schon gewundert, denn bisher dachte ich immer, die Klitschkos seien miteinander verheiratet) und b) der Altersunterschied zwischen Adoptivvater und Adoptivkind nicht mehr als 45 Jahre betragen darf. Nun, da werden im oberbayerischen Landkreis Starnberg vor Enttäuschung aber die Alarmglocken geschrillt haben, aber ich bin sicher, dass Johannes Heesters es nun woanders versuchen wird. Ich werde das beobachten.

Hat das »Aussitzen« zur Königsdisziplin gemacht: Altkanzler Helmut Kohl

Am Ende dann aber doch zwei Meldungen, die uns hoffen lassen (nein, mit Westerwelle bleibt alles beim alten). Meldung 1: Panik im Zug – Hunderte stecken fest! Was war passiert? Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Es hat geschneit und ein Regionalexpress in Schleswig-Holstein steckte stundenlang auf freier Strecke fest. Schaden an der Oberleitung. Weil aber sonst alle anderen Züge – warum auch immer – weiterfuhren, war es den Gästen nicht erlaubt, die Türen zu öffnen und den Zug zu verlassen. An sich nicht weiter schlimm, denn gerade die Regionalzüge der Deutschen Bundesbahn sind ja für Ihre Gemütlichkeit über alle Grenzen hinweg bekannt. Aber in der Kälte und in der Dunkelheit hat man davon natürlich nicht viel. Zu allem Überdruss ist nämlich nicht nur die Heizung sondern auch gleich noch die Beleuchtung ausgefallen. 4 Stunden in einem Zug der Deutschen Bundesbahn eingesperrt – bis hierhin also ein ganz normaler Vorgang, Allerdings fragt man sich doch, warum der Spass so lange gedauert hat. Und auch hier kann ich den Verwirrten beruhigen. Es hat so lange gedauert, weil die Mobiltelefone der Reisenden keinen Empfang hatten. Ja, richtig, die Mobiltelefone der REISENDEN, denn die Bahn hat sich natürlich nicht weiter um diesen Zug gekümmert. Auf Nachfragen, warum nicht, erklärte man, dass man davon ausging, dass das Ding, also der Zug, früher oder später von alleine wieder losfährt. Das ist Krisenmanagement ala «Aussitzen«, wie wir es bisher nur von Helmut Kohl («Ich denke auch bei Tag über vernünftige Dinge nach, nicht nur nachts; nachts will ich ja lieber schlafen.«) und seinem Mädel Merkel («Mit dem Kopf durch die Wand wird nicht gehen. Da siegt zum Schluss immer die Wand.«) kannten. Und ganz offensichtlich funktioniert das ja auch.

Sein Sohn hat bald Geburtstag, aber ausser Mobiltelefonen gibt es diesmal nichts: Kim Jong-il, nordkoreanischer Machthaber

Was sich hier wie eine Katastrophenmeldung liest, ist keine, wenn man mal einen Blick ins Ausland wirft, z. B. nach Seoul: Zug mit Geschenken für Kim Jong-ils Sohn entgleist. Na, da geht es doch gleich ganz anders zu. Sabotage vermutetet der dortige Geheimdienst. Klar, der Zug war schließlich vollgepackt mit teuren Uhren und einer Reihe von Fernsehern – allesamt Geburtstagsgeschenke (8.1.2011, nur für den Fall, dass einer gratulieren möchte) für den jüngsten Sohn des nordkoreanischen Machthabers. Die Reisenden, die zusammengepfercht ganz hinten im Viehwaggon standen, wurden zum Glück nur leicht verletzt. Anrufen konnte allerdings niemand irgendwo, denn der Sohn hatte sich seine Mobiltelefone mit dem Flugzeug direkt liefern lassen. Es waren demnach keine Handies an Bord. So gesehen behaupte ich, dass ich lieber ein paar Stunden in einem saukalten dunklen Zug verharre, als mich von (wahrscheinlich südkoreanischen) Spionen in einer Eisenbahn, die ihren Namen noch verdient, hinwegraffen zu lassen. Fazit: Die Deutsche Bundesbahn hat also doch ihre Vorteile – und das lässt mich irgendwie hoffen.

Beste Grüße nach Starnberg und ein frohes neues Jahr wünscht

Kai-Michael Schmuck

PS: Meine Oma (96) kann Jopie übrigens nicht ausstehen und will allein deshalb sofort mit dem Rauchen anfangen. Warum? Damit Sie den alten Knacker (O-Ton Oma) nicht noch länger ertragen muss, sagt sie …

Kunden gewinnen mit Sockenpuppen? – Bitte nicht!

Ich reise gerne. Das heisst, ich bin gerne unterwegs. Nicht nur im Internet oder in Gedanken. Nein, auch nur mal so. Vor allem in Zeiten wie diesen. Zeiten, in denen Mario Gomez (ein Fussballer, der wieder trifft und hoffentlich bald für 80 Millionen werweißwohin verkauft wird) schwulen Fussballern rät, sich zu outen und man das Gefühl nicht los wird, also ob hier ein Zahnloser rät, sich seine Weisheitszähne doch einfach mal ohne Betäubung mit der Kneifzange ziehen zu lassen. Wenn es soweit gekommen ist, dann muss man einfach mal weg. Ein Job wie der meine kann da helfen, denn er lenkt ab.

Es gibt viele Gründe, warum eine brillante Idee auf dem Friedhof landet – und nicht auf der Umschlagseite des STERN.

Wie auch immer, ich war also im süddeutschen Raum unterwegs, um einen Neukunden zu besuchen. Anfrage lautete: «Bitte einmal alles neu, Herr Schmuck!«, einen Satz, den man zwar selten, aber doch gerne hört. Normalerweise gehen bei mir ja dann alle Alarmglocken an und ich antworte mit einer PowerPoint-Schlacht nicht unter 50 Folien gefolgt von einer Kostenkalkulation, gegen die sich Stuttgart 21 wie der Bau eines Standard-Kinderspielplatzes ausnimmt (Rutsche, Schaukel, Sandkiste). Aber diesmal hatte ich das untrügliche Gefühl: «Schmuck, da geht was!« Und siehe, mein Gefühl hat mich, wie schon so oft, in die Irre geführt.

Jeder, der Präsentationen machen muss, um Kunden von was auch immer zu überzeugen, weiss: Eine Präsentation beginnt nicht erst, wenn man den Besprechungsraum betritt und Visitenkarten tauscht (hier eine kleine Anmerkung: Visitenkarten lesen und offen auf den Tisch legen. Nicht rollen, um sich damit die Fingernägel zu reinigen!), sondern schon viel früher – auf dem Kundenparkplatz. Ich erinnere, dass ich einmal auf einem solchen mein Auto parken wollte, und gerade als ich in eine der wenigen Parklücken zurückstossen wollte …schwupps, war einer schneller und stellte sein Auto genau da ab.

Es gibt Präsentationen, die enden bereits auf dem Kundenparkplatz. Ich weiss, wovon ich spreche ...

Ich war – wer mich kennt, weiß das – die Ruhe selbst, stieg aus, schlenderte zur Wagentür des gemeinen Parkplatzdiebes, die sich gerade öffnete, damit ich ihm ein leises: «Nächstes mal schieb ich deine lausige Dreckskarre persönlich in den Gully.« zuraunen konnte. Nun, der geneigte Leser wird es ahnen, es gab kein nächstes Mal. Der hinterhältige Parkplatzklauer entpuppte sich als der Marketingleiter des Unternehmens, das ich mit kreativen Ideen beglücken wollte. Die Präsentation war eine der kürzesten, die ich jemals hatte. Um genau zu sein, gab es gar keine.

Seitdem reise ich zu solchen Gelegenheiten grundsätzlich mit der Bahn an.

Doch das nur nebenbei, zurück zum Thema. Natürlich war die Präsentation mit den von uns erarbeiteten Cannes-verdächtigen Ideen als solche eine Sensation. Wahrscheinlich, weil wir so flexibel sind. Präsentieren wir z. B. vor Menschen, die … nun sagen wir mal eher zur jungen Generation der Draufgänger und Pioniere in Sachen Marketing gehört, fackeln wir eine Multimediashow ab, die sich gewaschen hat. Und natürlich fallen Begriffe wie Social Media Marketing, Emotional Resonance, Brand Management und Conversion Rate – ganz gleich in welcher Reihenfolge. Ich habe festgestellt: Allein mit dem Begriff Social Media Marketing liegt man immer richtig. Ich gebe zu, es hilft, wenn man eine vage Vorstellung davon hat, was das ist und wozu das gut sein soll (… und nein, es reicht nicht, wenn man nur ein Facebook-Account hat!) – aber fehlen darf das Wort auf keinen Fall.

Es ist einfacher, mit Sockenpuppen ein Euripides-Stück nachzuspielen als eine komplette Marketingkampagne. Das soll hier nur noch mal erwähnt werden ...

Diesmal jedoch hatten wir es mit einem älteren Semester zu tun, der Marketing immer noch Werbung nennt und Brand Management mit «Marke machen« übersetzt. Da helfen Buzzwords wenig. Hier muss man besonders kreativ sein und kann all das Geblinke auf dem Beamer weglassen. Marketingleiter von altem Schrot und Korn sind doch eher analog drauf, da muss man sich was einfallen lassen. Aus diesem Grund (und vor allem, weil ich das immer schon mal machen wollte) entschieden wir uns, alle Entwürfe auf Pappen zu kleben und die gesamte Marketingkampagne mit süssen selbstgebastelten Sockenpuppen live nachzuspielen. (Diese grandiose Idee kam mir, als ich neulich in der Vorschule meines jüngsten Sohnes der interessanten Aufführung eines Euripides-Stückes mit eben jenen Sockenpuppen beiwohnen durfte. Ok, wir haben meinen Sohn dann gleich an einer weiterführenden Schule angemeldet.)

Um es kurz zu machen: Sockenpuppen sind nicht der Bringer. Ich meine, wir haben viel gelacht und gescherzt. Vor allem, als ich dann die Kalkulation an die Wand warf, wollte das Lachen kein Ende nehmen. Letztendlich haben wir uns dann auf ein kleines Post-Mailing (das Zeug, das wir alle jeden Tag ungeöffnet in die Tonne kloppen!) an eine noch viel kleinere Zielgruppe (so klein, dass ich vorschlug, das Mailing doch einfach persönlich bei den 21 Adressen vorbeizubringen) geeinigt. Die Pappen durfte ich wieder mitnehmen, nur die Sockenpuppen sollte ich da lassen. Wahrscheinlich wollte der alte Herr damit zuhause seine Erlebnisse aus dem Kessel von Cherkassy (1943, da war meine Oma (96) gerade mal 14 Jahre alt) nachspielen. Oder ihm war einfach nur kalt.

Fazit: Manchmal sollte man eine kreative Präsentationsidee einfach an sich vorbeiziehen lassen. Und wenn man der Aufforderung «Bitte einmal alles neu, Herr Schmuck!« nicht widerstehen kann, dann sollte man seinen potentiellen Neukunden nicht mit Zahlen langweilen – das schreckt nur unnötig ab.

Es winkt mit der Sockenpuppe

Kai-M. Schmuck

PS: Heisst es wiederstehen oder widerstehen?? Habe das gerade mal «gegoogled« und bin als erstes Suchergebnis im Forum von gofeminin.de beim Thema «Selbst anfassen vor dem Sex« gelandet. Ich glaube, ich sollte wirklich mal wegfahren …

72 Tage oder: Wie man sich in der Eifel verlaufen kann.

Was schenkt man seiner Liebsten zu Weihnachten? Keine Ahnung, aber wer mehr Zeit für sich selbst braucht, schenkt eine Handtasche.

Ich liebe Marktforschungen und eine wirklich außergewöhnliche las ich kürzlich in der Magazin-Beilage der Süddeutschen Zeitung: Da haben Wissenschaftler festgestellt, das Frauen im Lebensschnitt etwas mehr als 72 (in Worten: zweiundsiebzig!!) Tage in ihrer Handtasche kramen. Eine Sensation. Bedenkt man dabei, so die Wissenschaftler weiter, dass ein Großteil der weiblichen Bevölkerung auf diesem Planeten gar keine Handtasche besitzen, weil sie nichts haben, was sie reintun könnten (z.B. Frauen aus Eritrea, Guinea-Bissau oder den Marshall-Inseln)), erhöht sich die diese Zeit um ein Vielfaches (Paris Hilton jetzt einmal ausgenommen, die muss man natürlich gegenrechnen).

Warum erwähne ich das hier? Keine Ahnung, aber diese Meldung schien mir ähnlich wichtig wie die die von dem US-amerikanischen Interpreten, der jüngst die Weltmeisterschaft für Karaoke-Sänger in Moskau gewann und den ersten Preise in Form von einer Million (!) Maultaschen absahnte. Die kann er jetzt essen und hat auch gleich errechnet, dass er bei einem täglichen Verzehr von 100 Maultaschen ca. 27 Jahre lang dieses Zeug auf dem Speiseplan stehen hat. Wie ausgesprochen lecker. Und wie ausgesprochen unsinnig.

Ich liebe ja die einfachen Dinge, Sachen, die man auf den ersten Blick erkennt. Die man sofort richtig einschätzen kann, die einfach klar sind. Und am besten, ich verlasse mich auf meine sieben Sinne und mein unbestechliches Einfühlungsvermögen. Besonders in Bezug auf Menschen. Ich sehe sie, und weiss sofort was los ist.

Den hätte sogar meine Oma (96) enttarnt: Günter Guillaume, der Typ mit der Sonnenbrille hinter dem Typ mit der Krawatte

Denken wir z. B. an die Guillaume-Affäre. Wir erinnern uns: 1974, Deutschland wird Fussballweltmeister, weil die Holländer zu doof sind, um Schönwetterfussball in zählbaren Erfolg umzumünzen und Willy Brand musste zurücktreten, weil in seinem Umfeld alle zu blöde waren, um zu erkennen, dass sein engster Mitarbeiter ein DDR-Spion ist. Wäre mir nie passiert. Ein flüchtiger Blick auf nebenstehendes Foto und er wäre enttarnt gewesen. Mit so einer Sonnenbrille, ich bitte euch! Das KANN nur ein Spion sein. Und wahrscheinlich jeden Morgen schön mit einem Kraftrad der Motorenwerke Zwickau (MZ) ins Kanzleramt. Gut, ist passiert, kann man nix mehr machen. Dennoch würde ich mir wünschen, man würde die Menschen mehr nach ihrem Aussehen beurteilen. Denn dann bliebe so manches erspart.

Kein Bild für die Telekom-Werbung: Nonnenmacher am Apparat ...

Auch die ganze Affäre um die HSH Nordbank übrigens. Das musste ja schiefgehen. Eine Affäre jagt die andere. Jetzt geht es um die Verwicklung in eine Schnüffelei, die Ex-Vorstand Frank Roth am Ende mit falschen Beschuldigungen traktierte. Die Öffentlichkeit fragt sich, ob Nonnenmacher darin verwickelt sei. Ist er? Sehen wir auf das Bild links und versuchen wir, uns diese Frage zu beantworten. Na, dämmerts?

Kann man Formel 1 fahren, wenn man mit den Füssen nicht an die Pedale kommt? Ja, kann man!.

Ok, das funktioniert nicht immer so einfach, das gebe ich zu. Man kann auch mal danebenliegen. Zum Beispiel Sebastian Vettel, Formel 1 Rennfahrer. Jedes mal, wenn er auf dem Siegerpodest steht, frage ich mich, wieso ein 12-jähriger überhaupt schon Auto fahren darf. Und dann noch so ein schnelles. Aber er hats einfach drauf, wenn er nicht gerade irgendwo gegen fährt.

Meine Oma (96) ist begeistert: Opi sieht doch ganz possierlich aus!

Oder nehmen wir ein Bild von Horst Seehofer, seines Zeichens CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident, der nicht müde wird, durch seine ärgerlichen Äusserungen und weit hergeholten Schlüsse zum Thema Integration und Zuwanderung auch dem letzten Simpel der Nation zu verdeutlichen, dass er (also der Horst jetzt) am besten da bleibt, wo er ist: in Bayern. Was mich sofort an Sprachbarrieren erinnert – eines der zentralen Themen, wenn es um Integration von Ausländern geht. Irgendwie schon komisch, dieser Sprach-Test, den ein Ausländer machen muss, um zumindest die Grundanforderung einer Integration – nämlich anständiges Deutsch zu sprechen – zu erfüllen. Wer sich das ausgetüftelt hat, hat glaube ich nicht daran gedacht, dass ein Deutscher, der in Köln lebt, schon in der Eifel nicht mehr nach dem Weg fragen kann.

In einem anderen Teil dieses Testes muss man übrigens in der Lage sein, den Unterschied zu erklären zwischen Mehrheits- und Verhältniswahlrecht. Ich glaube, da sind viele von uns froh, dass sie bereits Deutsche sind. Sonst droht die Ausbürgerung für die Hälfte unserer Bürger. Ein verführerischer Gedanke, Herr Seehofer, oder?

Aber ich schweife ab. Und das tue ich wie immer gerne.

Mit freundlichen Grüßen (deutsch) und

met vriendelijke groet (holländisch)

Kai-Michael Schmuck