Abnehmen mit Dioxin, senfgelb und warum es sich lohnt, Deutschland zu besuchen!

Der Dioxin-Skandal hat gerade nach den Feiertagen auch sein Gutes: Man nimmt praktisch automatisch ab. So oder so...
Bestimmte Dinge gehen immer. Eis geht immer, zum Beispiel. Und Bier auch (vielleicht nicht gerade vor 10 Uhr morgens, Eddi!). Und Diäten. Die gehen auch immer. Und jetzt haben sie Hochsaison. Überall. Auch in den Medien.
Wundert einen auch nicht. Immerhin mussten Millionen Gänse, Enten und anderes Geflügel ihr Leben lassen, um uns alle an und zwischen den Feiertagen halbwegs über die Runden zu bringen. Mit Knödeln, Rotkraut, Soße … wirklich lecker. Da muss man einfach durch. Und weil man mit einer Gänsekeule im Mund nicht ganz so gut nachdenken kann, fällt uns immer erst hinterher auf, dass wir die 6 Kilo, die wir in 5 Tagen zugenommen haben, ab Anfang des neuen Jahres in 8 Monaten wieder abnehmen müssen.
An sich ist das ja auch kein Problem, Diäten gibt es schließlich wie Putenoberschenkel zur Weihnachtzeit: unendlich viele. Und eine funktioniert besser als die andere: Brigitte Diät, Weight Watchers, Glyx-Diät, diverse Arzt-Diäten. Besonders beliebt und Dauerbrenner: die Ananas-Diät, die einen innerhalb kürzester Zeit bis zum Skelett abmagern lässt, wenn man alles isst außer Ananas (hahaha, wie oft muss ich diesen Kalauer eigentlich noch hören). Ich persönlich mag am liebsten die »Bein-ab-Diät«, bei der man innerhalb von nur einer halben Stunde 15 Kilo verliert. Allerdings kann man diese Diät nur zweimal machen, dass ist schlecht. (Nur, um das nicht unerwähnt zu lassen: die »Politiker«-Diät heißt nur so, ist aber keine, denn das wäre dann ja die einzige Diät , von der man fett wird.).
Bei dieser Gelegenheit fällt mir auf, dass sowas wie der gerade aktuelle Dioxin-Skandal niemals vor den Feiertagen aufgedeckt wird, sondern immer erst danach. Wer hier Zersetzung und Hochverrat wittert, sollte nicht immer alles allzu schwarz sehen, oder? Na gut, wenigstems müssen wir das verseuchte Futtermittel nicht direkt zu uns nehmen.
Die Ananas-Diät funktioniert übrigens auch mit Senf , eine Tatsache, die ich eigentlich nur erwähne, um den Übergang zu einem anderen Thema nicht allzu holprig erscheinen zu lassen. Es geht um Deutschland. Genauer gesagt geht es darum, warum es sich lohnt, Deutschland zu besuchen. Und um ganz präzise zu sein, geht es darum, warum eine Agentur sich entblödet, dafür eine Anzeige zu schalten. Und dann auch noch im Stern, der ja in Deutschland erscheint, soweit ich weiss. Der gemeine deutsche Stern-Leser ist ja bereits in Deutschland, warum also soll er das Land dann besuchen. Deutsche mögen keinen Besuch, und schon mal überhaupt nicht nach Feierabend, das ist doch bekannt.
Serviceplan, die Agentur, die – warum auch immer – hinter dieser Kampagne steckt, hat bei der Kreation wirklich alle Register des Schaffens gezogen. Bestechend ist der Text in englisch, den selbst mein Sohn nicht hätte besser machen können (und der ist immerhin in der 5. Klasse). Wie aus dem engeren Freundeskreis der Agentur (Agenturen haben keine Freunde, nur Kunden, ich weiss) zu erfahren war, war unser Aussenminister Guido Westerwelle, der ursprünglich den Text beisteuern sollte, wahrscheinlich verhindert. Man munkelt allerdings, dass er das Konzept nicht besonders gut fand. Aber glücklicherweise hat man mit Günther «in-dschörmanie-wi-häw-a-sejing« Oettinger schnell einen Ersatz gefunden. Für den Text soll er nicht länger als eineinhalb Stunden gebraucht haben. Klar, da ist eine Übersetzung in Google Translate schneller, aber ob sie auch besser ist?
Bei dieser Gelegenheit: Die Videos auf youtube über diese Jahrhundertrede von Oettinger waren plötzlich verschwunden. Ich wusste nicht, dass man youtube offensichtlich nur sagen muss, man fühle sich durch ein Video diskriminiert und schon verschwindet es im Orkus des Unwiederbringlichen. Frag ich mich doch, was für eine Diskriminierung Oettinger eigentlich meint. Er kann kein Englisch? Wo ist das Problem? Ich kann auch kein Chinesisch. Der Unterschied ist nur, dass ich auch nicht versuche, es zu sprechen. Aber das nur nebenbei – und immerhin sind sie ja wieder da, die Videos. Seitdem habe ich meinem Sohn allerdings verboten, auf youtube zu gehen. Man kann ja nie wissen.

Seit 1930 verpackt Thomy Senf in Tuben und hat damit vielen Ehepartnern einen weiteren Scheidungsgrund frei Haus geliefert, der vorher nur Zahnpastatuben vorbehalten war: das korrekte Ausdrücken ...
Das Layout der Anzeige, dass im Grundton durch ein wunderschönes senfgelb brilliert, wurde direkt bei Thomy, dem Erfinder des Senfes in Tuben, in Auftrag gegeben. Da Thomy außerdem auch noch Mayonnaise anbietet, gab es auch einen Entwurf in altweiss, der wurde von Serviceplan aber abgeschmettert, weil zu langweilig. Auch gut. Zum Schluß musste Serviceplan nur noch ein Logo zusammenschustern und drunterknallen, fertig ist die Kampagne. Was die Anzeige aber generell bewirken soll, wird mir ewig verschlossen bleiben. Warum soll jemand Deutschland besuchen, nur weil der Aussenminister schwul ist und der Kanzler eine Frau, was irgendwie aufs gleiche rauskommt? Gut, ein viatnamesischer Gesundheitsminister, das ist schon eine Reise Wert. Aber was ist mit dem dementen Ministerpräsidenten aus Bayern? Oder unserem quotengeilen Verteidigungsminister? Ist das nichts? Da ist doch wohl noch Platz auf der Anzeige, oder etwa nicht? Na gut, es ist passiert, aber vielleicht sehen wir ja noch eine Fortsetzung der Kampagne (will meinen ein zweites… ähh… Motiv?)

Klasse Bilder und klasse Name (wenn auch nicht unbedingt für einen ICE): Paula Modersohn-Becker (1876-1907)
Bei dieser Gelegenheit noch eine Anmerkung in eigener Sache: Ich schreibe diese Zeilen, während ich in einem ICE namens Paula Modersohn-Becker auf dem Weg nach München bin. Wir sind mit 7 Minuten Verspätung in Hamburg gestartet (der Zug war aus Versehen verkehrt herum in den Altonaer Sackbahnhof gefahren, was dem Zugführer erst auffiel, als er MediaMarkt im Rücken hatte) und jetzt informiert uns der freundliche Zugbegleiter (formerly known as Schaffner) via Lautsprecher vor JEDER Station, dass alle Anschlusszüge erreicht werden. Zweisprachig, versteht sich.
In bin beunruhigt.
Kai-Michael Schmuck
PS: Meine Oma (96) (»Diäten hoam mir damois net braucht, mir hoam ois gessen, wos do woa und hoam a net zugnomma, Bua.« (Übers.: »Diäten haben wir damals nicht gebraucht, wir haben alles gegessen, was da war, und haben trotzdem nicht zugenommen, Depp!«) hält übrigens nichts von Diäten. Wahrscheinlich ist sie deshalb immer noch so gut zu Fuß.
Hey, ich bin mal so frei und schreibe mal was im Blog. Sieht schnieke aus! Ich nutze seit kurzem auch WordPress einige Sachen sind mit aber noch fremd. Deine Seite ist mir da immer eine tolle Anregung. Weitermachen!