Die »14,56 cm-Lüge« oder: Im Internet ist alles größer.

Lügen haben kurze Beine und lange Nasen. (Der Autor freut sich über dieses Bild, denn passender geht es nicht)
Was wir alle befürchtet haben, ist nun eingetreten: Man hat uns ertappt. Beim Lügen. Nachweislich. Ein amerikanisches Marktforschungsinstitut namens StrategyOne hat im Auftrag des Sofwareunternehmens Symantec (die Entwicklerschmiede meines Lieblingsoutliners MORE, das es schon seit gefühlten 20 Jahren nicht mehr gibt, leider!) eine Umfrage namens «Norton Cybercrime Report 2010: Faktor Mensch« durchgeführt, die die Auswirkungen der steigenden Online-Kriminalität auf die Nutzer erforscht. Klingt kompliziert, ist aber relativ simpel. Befragt wurden 7066 Erwachsene ab 18 Jahre aufwärts nach ihren Verhaltensweisen im Internet. Und danach haben 51% der Befragten online schon einmal gelogen. Vor allem wenn es darum geht, eine falsche Identität vorzugauckeln. In Facebook zum Beispiel. Da wird offensichtlich gelogen was das Zeug hält (laut Studie lügt hier jeder Vierte), allerdings auch um sich vor Konfliktsituationen wie Stalking oder sexueller Belästigung zu schützen. Aha, wer Lügen will, hat immer einen guten Grund, hat schon meine Oma (96) gesagt. Und Recht hat sie. Glücklicherweise habe ich gar nicht so viele Freunde in Facebook (diesen Satz beende ich mit einem Seufzer!).
Die moderne Psychologie sieht die Lüge an sich als ein lebensnotwendiges Kommunikationsmittel an. Wir alle lügen, manche Menschen bis zu 200 mal am Tag. Das bedeutet, manche Menschen lügen wenn sie den Mund aufmachen. Das ist nicht schön. Und ehrlich gesagt, kommt diese Aussage für mich etwas spät, denn hätte ich diese Erkenntnis seinerzeit meiner Mutter darlegen können, wäre mein Leben in eine völlig andere Richtung gelaufen. So bin ich eben in der Kommunikationsbranche gelandet.

Freunde in Facebook? Chef, Happy, Hatschi, Brummbär, Pimpi, Seppi, und Schlafmütz sind kaum größer als 14,56 cm, Schneewittchen hingegen wird auf 178 cm geschätzt. Ist das schon gelogen?
Eines der verblüffenden Ergebnisses der Studie hat mich allerdings nachdenklich gemacht: Danach ist die durchschnittliche Körpergröße eines Mannes mit 178 cm angegeben (zum Vergleich für die französischen Freunde dieses Blogs: Nicolas Sarkozy kommt nur auf 165 cm). Schön. Beunruhigend allerdings ist, dass auch festgestellt wurde, dass die durchschnittliche Größe seines Gemächtes (ich benutze absichtlich nicht das Wort Penis, um nicht schon wieder verdächtigt zu werden, ich benutze beliebte Schlagwörter, um bei Google besser gefunden zu werden) etwa 14,56 cm beträgt. Wer zum Teufel hat denn das ausgerechnet. Da hilft es auch nicht, dass der letzte Wert im erigierten Zustand gemessen wurde, meine Herren. Diese beiden Werte scheinen allerdings nur offline zu gelten. Im Internet, in dem ja bekanntlich alles rasant wächst, werden beide Längen um ca. 5 cm größer (oder länger). Da bekommt doch der Ausspruch «Lügen haben kurze Beine« eine völlig neue Bedeutung. 5 cm über der Norm – da muss ich sagen, es handelt sich doch allenfalls um eine sehr kleine (Not?)Lüge, für die man angesichts der avisierten 14,56 cm nicht belangt werden kann, finde ich. Da kann man die Kirche ja mal im Dorf lassen (Kirche? Wie komme ich den in dem Zusammenhang auf Kirche?!)
200 Lügen am Tag?! Bei dieser Gelegenheit fällt mir ein Witz ein und der geht so: Zwei Freunde unterhalten sich und der eine sagt, er könne erkennen, wenn Politiker lügen. «Wie das denn?« fragt der andere. «Ganz einfach. Immer wenn ein Politiker seine Brille abnimmt und sie putzt, dann sagt er die Wahrheit. Und wenn er sich langsam an seinem Kinn reibt und gedankenverloren in die Runde blickt, dann sagt er auch die Wahrheit.« «Ja, aber woran erkennst du nun, wann er lügt?!« «Nun, er lügt, sobald er den Mund aufmacht.«
Ok, wir haben schon besser gelacht und dieser Witz funktioniert überdies nur, wenn wir annehmen, dass Politiker auch Menschen sind. Und das will ich hier nicht anzweifeln, um Gottes Willen.
Es grüßt einigermaßen hoffnungsvoll
Kai-Michael Schmuck (191 cm)