72 Tage oder: Wie man sich in der Eifel verlaufen kann.

Aktualisiert: 15. Sept 2018


Was schenkt man seiner Liebsten zu Weihnachten? Keine Ahnung, aber wer mehr Zeit für sich selbst braucht, schenkt eine Handtasche.

Ich liebe Marktforschungen und eine wirklich außergewöhnliche las ich kürzlich in der Magazin-Beilage der Süddeutschen Zeitung: Da haben Wissenschaftler festgestellt, dass Frauen im Lebensschnitt etwas mehr als 72 (in Worten: zweiundsiebzig!!) Tage in ihrer Handtasche kramen. Eine Sensation. Bedenkt man dabei, so die Wissenschaftler weiter, dass ein Großteil der weiblichen Bevölkerung auf diesem Planeten gar keine Handtasche besitzen, weil sie nichts haben, was sie reintun könnten (z.B. Frauen aus Eritrea, Guinea-Bissau oder den Marshall-Inseln)), erhöht sich die diese Zeit um ein Vielfaches (Paris Hilton jetzt einmal ausgenommen, die muss man natürlich gegenrechnen).


Warum erwähne ich das hier? Keine Ahnung, aber diese Meldung schien mir ähnlich wichtig wie die die von dem US-amerikanischen Interpreten, der jüngst die Weltmeisterschaft für Karaoke-Sänger in Moskau gewann und den ersten Preis in Form von einer Million (!) Maultaschen absahnte. Die kann er jetzt essen und hat auch gleich errechnet, dass er bei einem täglichen Verzehr von 100 Maultaschen ca. 27 Jahre lang dieses Zeug auf dem Speiseplan stehen hat. Wie ausgesprochen lecker. Und wie ausgesprochen unsinnig.


Ich liebe ja die einfachen Dinge, Sachen, die man auf den ersten Blick erkennt. Die man sofort richtig einschätzen kann, die einfach klar sind. Und am besten, ich verlasse mich auf meine sieben Sinne und mein unbestechliches Einfühlungsvermögen. Besonders in Bezug auf Menschen. Ich sehe sie, und weiss sofort was los ist.



Den hätte sogar meine Oma (96) enttarnt: Günter Guillaume, der Typ mit der Sonnenbrille hinter dem Typ mit der Krawatte

Denken wir z. B. an die Guillaume-Affäre. Wir erinnern uns: 1974, Deutschland wird Fussballweltmeister, weil die Holländer zu doof sind, um Schönwetterfussball in zählbaren Erfolg umzumünzen und Willy Brand musste zurücktreten, weil in seinem Umfeld alle zu blöde waren, um zu erkennen, dass sein engster Mitarbeiter ein DDR-Spion ist. Wäre mir nie passiert. Ein flüchtiger Blick auf obiges Foto und er wäre enttarnt gewesen. Mit so einer Sonnenbrille, ich bitte euch! Das KANN nur ein Spion sein. Und wahrscheinlich jeden Morgen schön mit einem Kraftrad der Motorenwerke Zwickau (MZ)ins Kanzleramt. Gut, ist passiert, kann man nix mehr machen. Dennoch würde ich mir wünschen, man würde die Menschen mehr nach ihrem Aussehen beurteilen. Denn dann bliebe so manches erspart.



Kein Bild für die Telekom-Werbung: Nonnenmacher am Apparat ...

Auch die ganze Affäre um die HSH Nordbank übrigens. Das musste ja schiefgehen. Eine Affäre jagt die andere. Jetzt geht es um die Verwicklung in eine Schnüffelei, die Ex-Vorstand Frank Roth am Ende mit falschen Beschuldigungen traktierte. Die Öffentlichkeit fragt sich, ob Nonnenmacher darin verwickelt sei. Ist er? Sehen wir auf das Bild oben und versuchen wir, uns diese Frage zu beantworten. Na, dämmerts?



Kann man Formel 1 fahren, wenn man mit den Füssen nicht an die Pedale kommt? Ja, kann man.

Ok, das funktioniert nicht immer so einfach, das gebe ich zu. Man kann auch mal danebenliegen. Zum Beispiel Sebastian Vettel, Formel 1 Rennfahrer. Jedes mal, wenn er auf dem Siegerpodest steht, frage ich mich, wieso ein 12-jähriger überhaupt schon Auto fahren darf. Und dann noch so ein schnelles. Aber er hats einfach drauf, wenn er nicht gerade irgendwo gegen fährt.



Meine Oma (96) ist begeistert: Opi sieht doch ganz possierlich aus!

Oder nehmen wir ein Bild von Horst Seehofer, seines Zeichens CSU-Chef und bayerischer Ministerpräsident, der nicht müde wird, durch seine ärgerlichen Äusserungen und weit hergeholten Schlüsse zum Thema Integration und Zuwanderung auch dem letzten Simpel der Nation zu verdeutlichen, dass er (also der Horst jetzt) am besten da bleibt, wo er ist: in Bayern. Was mich sofort an Sprachbarrieren erinnert – eines der zentralen Themen, wenn es um Integration von Ausländern geht. Irgendwie schon komisch, dieser Sprach-Test, den ein Ausländer machen muss, um zumindest die Grundanforderung einer Integration – nämlich anständiges Deutsch zu sprechen – zu erfüllen. Wer sich das ausgetüftelt hat, hat glaube ich nicht daran gedacht, dass ein Deutscher, der in Köln lebt, schon in der Eifel nicht mehr nach dem Weg fragen kann.


In einem anderen Teil dieses Testes muss man übrigens in der Lage sein, den Unterschied zu erklären zwischen Mehrheits- und Verhältniswahlrecht. Ich glaube, da sind viele von uns froh, dass sie bereits Deutsche sind. Sonst droht die Ausbürgerung für die Hälfte unserer Bürger. Ein verführerischer Gedanke, Herr Seehofer, oder?


Aber ich schweife ab. Und das tue ich wie immer gerne.


Mit freundlichen Grüßen (deutsch) und

met vriendelijke groet (niederländisch)


Kai-Michael Schmuck

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