Corona-Virus vs. 007 – Kein Popkorn bei James Bond



Oder: Schneechaos, Elton John und warum man besser in der Bahn erfriert


Gestern habe ich mir einen Fisch gekauft. Um ihn zu essen, ganz genau. Der freundliche Verleihnix hat mir das Teil (Dorschfilet, sehr lecker) klassisch eingepackt … in Zeitungspapier einer sehr alten Ausgabe des Hamburger Abendblattes, wie eine Drohung der Mafia – aber vor allem, wie sich das gehört. Daheim hab ich den Fisch ausgepackt – und was soll ich sagen? Mein Blick fällt auf einen Seitenaufmacher(!) und da stand zu lesen, dass Johannes »Jopie« Heesters, bekannt durch sein biblisches Alter (der Mann wurde 108), dem Rauchen abgeschworen hat. Warum? Damit Gattin Simone Rethel (gefühlte 105, aber in echt damals 62) noch lange was hat von dem Altstar.



Nein, das ist nicht Tagesschausprecher Karl-Heinz Köpcke, wie viele auf den ersten Blick vermuten, sondern der hier (geschätzt) 98-jährige Johannes Heesters († 2011)

Na gut, das kann man nun sehen wie man will (und wahrscheinlich hört man Simones Aufstöhnen von hier bis Starnberg), aber ich finde, das war sehr nett von dem Greis. Man würde sich wünschen, alle alten Leute würden sich so vorbildlich verhalten – mit Ausnahme der Rentenstatistiker unseres Landes.

Mir fällt auf, dass es offensichtlich nur wenige gute Nachrichten gibt. Das war damals so und ist heute nicht anders. Eine Horrormeldung reiht sich wie gewohnt an die andere. Während heute jede Schlagzeile mit Corona anfängt und mit Virus aufhört, waren die schlechten Nachrichten von damals dann doch vielfältiger. Den Beweis fand ich in der alten Zeitung. Deutschland versinkt im Schnee-Chaos und in Madrid wurde das erste Kitzelstudio eröffnet. Zugegeben, das eine hat mit dem anderen so viel zu tun wie Arschbacken und Brot backen. Aber trotzdem ist es natürlich in Zeiten, in denen Politiker nicht müde werden, Folterungen im Vollzug scharf zu verurteilen, verwerflich, dass in europäischen Hauptstädten klammheimlich und unter den Augen der Öffentlichkeit Kitzelstudios eingerichtet werden, in denen brutale spanische Chiropraktiker (ich glaube, das nennt man eine Tautologie, also sowas ähnliches wie weißer Schimmel oder schwuler Choreograph) und willenlose spanische Masseurinnen (lechz, aber natürlich auch eine Tautologie) Menschen aufs übelste und mit bloßen Händen malträtieren, … also kitzeln dürfen.


Nein, das ist nicht Johannes Heesters, der hier die Nachrichten spricht, sondern der Mann, nach dem wir damals unsere Uhren gestellt haben: Karl-Heinz Köpcke (1922-1991)

Und die Katastrophenmeldungen von damals reißen nicht ab. Niedersachsen wurde zur Hochburg des Komasaufens 2009 ernannt (schade, Bayern hatte seine Zahlen offensichtlich zu spät gemeldet) und Reginald Kenneth Dwight (damals 63), den seine Fans aus welchem Grund auch immer Elton John nennen, wurde Vater, weil sich eine Leihmutter bereit erklärte, ihm und seinem Gatten (!) David Furnish ein Kind – wie sagt man…zu gebären. Entgegen allen Gerüchten kam die Leihmutter übrigens NICHT aus Niedersachsen. Da hat der Elton aber Glück gehabt. Wer sich ein wenig dafür interessiert, weiß, dass der Popstar es bereits mit einer Adoption in der Ukraine versucht hatte, dort aber die Segel streichen musste, weil a) eine schwule Ehe in der Ukraine nicht rechtsgültig ist und alleinstehende Ausländer nix adoptieren können (das hat mich schon gewundert, denn bisher dachte ich immer, die Klitschkos seien miteinander verheiratet) und b) der Altersunterschied zwischen Adoptivvater und Adoptivkind nicht mehr als 45 Jahre betragen darf. Nun, da werden im oberbayerischen Landkreis Starnberg vor Enttäuschung aber die Alarmglocken geschrillt haben, aber ich bin sicher, dass Johannes Heesters es danach woanders versucht hat.


Hat das »Aussitzen« zur Königsdisziplin gemacht: Altkanzler Helmut Kohl

Am Ende fand ich dann aber doch zwei Meldungen, die uns hoffen lassen. Meldung 1: Panik im Zug – Hunderte stecken fest! Was war passiert? Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Es hat geschneit und ein Regionalexpress in Schleswig-Holstein steckte stundenlang auf freier Strecke fest. Schaden an der Oberleitung. Weil aber sonst alle anderen Züge – warum auch immer – weiterfuhren, war es den Gästen nicht erlaubt, die Türen zu öffnen und den Zug zu verlassen. An sich nicht weiter schlimm, denn gerade die Regionalzüge der Deutschen Bundesbahn sind ja für Ihre Gemütlichkeit über alle Grenzen hinweg bekannt. Aber in der Kälte und in der Dunkelheit hat man davon natürlich nicht viel. Zu allem Überdruss ist nämlich nicht nur die Heizung, sondern auch gleich noch die Beleuchtung ausgefallen. Vier Stunden in einem Zug der Deutschen Bundesbahn eingesperrt – bis hierhin also ein ganz normaler Vorgang, Allerdings fragt man sich doch, warum der Spaß so lange gedauert hat. Und auch hier kann ich die Verwirrten beruhigen. Es hat so lange gedauert, weil die Mobiltelefone der Reisenden keinen Empfang hatten. Ja, richtig, die Mobiltelefone der REISENDEN, denn die Bahn hat sich natürlich nicht weiter um diesen Zug gekümmert. Auf Nachfragen, warum nicht, erklärte man, dass man davon ausging, dass das Ding, also der Zug, früher oder später von alleine wieder losfährt. Das ist Krisenmanagement a la «Aussitzen«, wie wir es bisher nur von Helmut Kohl («Ich denke auch bei Tag über vernünftige Dinge nach, nicht nur nachts; nachts will ich ja lieber schlafen.«) und seinem Mädel Merkel («Mit dem Kopf durch die Wand wird nicht gehen. Da siegt zum Schluss immer die Wand.«) kannten. Es gibt also Dinge, die sich einfach niemals verändern. Das fand ich irgendwie beruhigend.



Sein Sohn hatte Geburtstag, aber außer Mobiltelefonen gab es damals nichts: Kim Jong-il, ehemaliger nordkoreanischer Machthaber

Was sich hier wie eine Katastrophenmeldung las, ist keine, wenn man mal einen Blick ins Ausland wirft, z. B. nach Seoul. Da ging es damals auch irgendwie um die Eisenbahn: Zug mit Geschenken für Kim Jong-Ils Sohn entgleist. Na, da geht es doch gleich ganz anders zu. Sabotage vermutete der dortige Geheimdienst damals. Klar, der Zug war schließlich vollgepackt mit teuren Uhren und einer Reihe von Fernsehern – allesamt Geburtstagsgeschenke (nächster Geburtstag ist der 8.1.2021, nur für den Fall, dass einer gratulieren möchte) für den jüngsten Sohn des damaligen nordkoreanischen Machthabers. Die Reisenden, die zusammengepfercht ganz hinten im Viehwaggon standen, wurden zum Glück nur leicht verletzt. Anrufen konnte allerdings niemand irgendwo, denn der Sohn hatte sich seine Mobiltelefone mit dem Flugzeug direkt liefern lassen. Es waren demnach keine Handies an Bord. So gesehen behaupte ich heute, dass ich lieber ein paar Stunden in einem saukalten dunklen Zug verharre, als mich von (wahrscheinlich südkoreanischen) Spionen in einer Eisenbahn, die ihren Namen noch verdient, hinwegraffen zu lassen. Fazit: Die Deutsche Bundesbahn hat also doch ihre Vorteile – und auch das lässt mich irgendwie hoffen.


Und was sind die heutigen Horrormeldungen. Das ist einfach: der Corona-Virus beherrscht die Schlagzeilen und ist in aller Munde (eine Formulierung, die hier etwas gewagt klingt, muss ich zugeben). Dass das COVID-19 Virus (so der offizielle Name) im Grunde keine Schlagzeilen braucht, damit man merkt, dass etwas nicht stimmt, ist mir neulich im leergeräumten Supermarkt aufgefallen. Wie durfte ich neulich lesen? Wenn ein Deutscher zwei Wochen in Quarantäne muss, dann isst er Nudeln mit Dosensuppen und hat einen erhöhten Stuhlgang. Zwischendurch scheint er sich in Mehl zu wälzen.


Und weil wir gerade bei schlechten Nachrichten sind, hier gleich noch eine: Die Premiere des neuen James Bond Films »Keine Zeit zu sterben« wurde sieben Monate(!!) verschoben. Grund ist nicht etwa das schlechte Drehbuch oder das kaputte Knie des Hauptdarstellers, sondern das/der Virus (geht beides, ist aber nur einer). Wieso das? Ich sage nur Popkorn. Aber ... keine Panik, Im November ist es wieder frei verfügbar.


Beste Grüße

Kai-Michael Schmuck



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